Konferenz, 25. März 2019

Konferenz in Trier – „Natur in der Lyrik und Philosophie des Anthropozäns. Zwischen Diagnose, Widerstand und Therapie.“

Zeit:
25. März 2019 - 28. März 2019
Ort:
Universität Trier
Sprache:
Deutsch

Die DFG-Kolleg-Forschungsgruppe „Russischsprachige Lyrik in Transition“ lädt Sie herzlich zu einer Konferenz ein mit dem Thema „Natur in der Lyrik und Philosophie des Anthropozäns: zwischen Diagnose, Widerstand und Therapie“.

 

Konzept der Konferenz:

Sektion 1: Ecopoetry

Seit das Anthropozän nicht nur als geologischer Terminus für die Kenn-zeichnung eines neuen Erdzeitalters, sondern auch als kulturelles Konzept anerkannt ist, dessen Implikationen an der Grenze zwischen Wissenschaften und Gesellschaft diskutiert und in den Künsten ästhetisch verhandelt werden, haben auch die Subgattungen Naturlyrik, Umweltlyrik und Lyrik im Anthropozän eine neue Bedeutung erlangt (vgl. Bayer/Seel (Hg.), 2017). In der Sektion Ecopoetry soll es um die Herausforderungen, Kontinuitäten und Differenzen gehen, die sich aus der Abgrenzung von der traditionellen, aber auch der vor einigen Jahren etablierten ,neuen Naturlyrik‘ ebenso ergeben wie aus der Fortschreibung der Umweltlyrik aus der Zeit nach 1945. Die vor allem aus dem angloamerikanischen Raum stammende Bewegung der Ecopoetry formuliert unter den ökokritischen, post-humanistischen Ansprüchen von „(Re-)Connection“, „Witnessing“, „Resistance“ und „Visioning“ (Helen Moore) ein neues Bewusstsein und versucht dabei, den mit Angst oder Sorge besetzten Themenkomplexen wie Klimawandel, Erderwärmung, Territorialverschiebung, Verengung der Lebensräume oder Rückgang der Artenvielfalt mit einer neuen Ästhetik des Widerstands zu begegnen, dem Menschen seine eng mit dem Wandel verknüpfte Rolle im Anthropozän vor Augen zu führen und sein Handeln in sehr viel größeren Raum- und Zeitmaßen als bislang zu reflektieren. In der Sektion soll es neben der auch philosophisch fundierten Darstellung der bereits etablierten Ecopoetry (in englisch- und in deutschsprachiger, aber auch in japanischer Literatur) ferner um die Frage gehen, inwieweit diese Gattung sich auch in anderssprachigen Literaturen und  Kulturen (wie etwa in Russland oder China) entwickelt bzw. warum dies vielleicht gerade nicht der Fall ist.

Sektion 2: Atomenergie und ihre Katastrophen

Der erste Atomtest, der am 16. Juli 1945 in der USA durchgeführt wurde (der sog. Trinity test), stellte ein Ereignis dar, das den Beginn einer neuen Ära des Anthropozäns markierte, in der der Mensch und seine Aktivitäten zur führenden Kraft globaler Transformationen auf der Erde werden. Dieses Ereignis wurde nicht zufällig als die symbolische Weiche für den Beginn eines neuen Zeitalters ausgewählt, denn gerade der Besitz von Atomenergie demonstriert in der konzentriertesten und dramatischsten Form eine qualitativ neue conditio humana. Der Übergang zu einer höheren Energieebene, über die die Menschheit von da an verfügte, hatte ein neues Maß an Verhaltens- und Entscheidungsfreiheit zur Folge, das in einer zugespitzten Form so formuliert werden kann: Der Mensch kann die ganze Erde zerstören. Diese neuen Möglichkeiten, die bisher nur der Natur oder den göttlichen Kräften vorbehalten waren, werden in den letzten Jahrzehnten insbesondere im Bereich der Philosophie und Kunst reflektiert. In der Sektion sollen lyrische und philosophische Ansätze zu Wort kommen, welche sich mit der Nutzung von Atomwaffen sowie Kernenergie, den durch diese ausgelösten Katastrophen in Hiroshima, Tschernobyl oder Fukushima und den hiermit  zusammenhängenden psychologischen und ethischen sowie politischen Fragen befassen. Auch wird zu fragen sein, ob es spezifisch ästhetische/aisthetische Möglichkeiten zur Wahrnehmung und ggf. auch Beeinflussung atmosphärischer oder lebensenergetischer Veränderungen durch Atomenergie und der Spätfolgen ihrer Katastrophen gibt.

Sektion 3: Neue Naturwahrnehmung – Möglichkeiten in der neueren Lyrik und Philosophie

In den letzten 200 Jahren hat die Naturphilosophie traditionell zwei Aus-richtungen: Zum einen kann sie sich an den Wissenschaften orientieren, zum anderen an der Kunst. Dabei handelt es sich natürlich nicht um ein ausschließendes Entweder-Oder. Im zweiten Drittel des 20. Jahrhunderts hat die Naturphilosophie mit einer Balance zwischen den Disziplinen, welche gerade auch die ästhetischen und phänomenologischen Zugänge wieder stärker ins Spiel brachte (K. Meyer-Abich, G. Böhme, G. Picht u.a.), eine produktive Entwicklung der Philosophie angestoßen, die bis ins Gesellschaftliche ging (H. Jonas). Nach einigen Dekaden einer eher als Naturwissenschaftsphilosophie verstandenen Disziplin erscheinen in den letzten Jahren signifikante Vorstöße, die Seite der Ästhetik und der Kunst wieder stärker zu gewichten. Ein systematisches Argument dabei ist, dass die Natur als instabiles System mit den Mitteln der Naturwissenschaft, die auf Stabilität angewiesen ist, nur unzureichend beschrieben werden kann (J. Schmidt). Von der gesellschaftlichen Seite aus entsteht die Forderung nach einer neuen Naturphilosophie als Aufklärung etwa durch den jüngsten Bericht des Club of Rome (ed. E. U. v. Weizsäcker). Die Herausgeber des neuen Lehrbuchs zur Naturphilosophie haben die akademischen Aufgaben folgendermaßen beschrieben: „In dieser Situation hat die gegenwärtige Naturphilosophie die Aufgabe, die Pluralität von Naturwahrnehmungen und Naturdeutungen mit ihren historischen Fundierungen im Spiel zu halten und zugleich, im Sinne von Orientierungswissen, Strukturen und Relationen des Naturwissens und Naturdenkens aufzuzeigen.“ (Quelle: Naturphilosophie. Ein Lehr- und Studienbuch. Thomas Kirchhoff et al. (Hg.) (Thomas Kirchhoff, Nicole C. Karafyllis, Dirk Evers, Brigitte Falkenburg, Myriam Gerhard, Gerald Hartung, Jürgen Hübner, Kristian Köchy, Ulrich Krohs, Thomas Potthast, Otto Schäfer, Gregor Schiemann, Magnus Schlette, Reinhard Schulz, Frank Vogelsang (Hg.) UTB/Mohr Siebeck 2016). Der physisch-materiell orientierten, mit quantitativen Methoden arbeitenden Wissenschaft bleiben immaterielle, aber in der Materie wirksame Prozesse verschlossen, die sich aber mit Begriffen wie Aura oder Atmosphäre und ästhetischen Qualitätswahrnehmungen beschreiben lassen. Ästhetik und die Künste gewinnen an den Grenzen naturwissenschaftlicher Methodik neue Bedeutung: Sie können einen diagnostischen, vielleicht auch therapeutischen Wert haben. Vor diesem Hintergrund widmet sich die Sektion einem phänomenologisch-ästhetischen und methodisch interdisziplinären Zugang zur Natur, welcher Philosophie mit der Forschung zu neuerer Lyrik und ggf. mit weiteren Fächern ins Gespräch bringt. Insbesondere wird zu fragen sein, ob Gedichte der Gegenwart neue Zugänge zur Wahrnehmung von Natur und dem Verhältnis zu ihr und Anregungen für naturphilosophische Überlegungen geben können.

Das Konzept zu der Konferenz im pdf-Format finden Sie hier.

Ein Plakat der Tagung finden Sie hier.

 

 

 

Angesichts einer dramatischen Zerstörung der Natur und knapper werdender Ressourcen: Welche Inhalte und welche Formen findet die Naturlyrik der Gegenwart darauf als mögliche Antworten? Warum und wie reagieren Dichterinnen und Dichter auf die Herausforderungen des Anthropozäns? Und wie geht die Philosophie mit den Auswirkungen der fast unbegrenzten Herrschaft des Menschen über die Natur um?

Diese (und sehr viele andere) Fragen wurden auf  der Konferenz Natur in der Lyrik und Philosophie des Anthropozäns: zwischen Diagnose, Widerstand und Therapie (25.-28. März 2019) an der Universität Trier auf exzellenter wissenschaftlicher Basis erörtert. Organisiert wurde die Konferenz von der DFG-Kollegforschungsgruppe 2603 des Institutes für Slavistik um Prof. Dr. Henrieke Stahl. Gekommen waren 29 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus acht Ländern. Beteiligt waren aber auch renommierte Dichterinnen und Dichter, wie Marion Poschmann und Gerhard Falkner. Und manche der teilnehmenden Wissenschaftler, wie Prof. em. Eduard Klopfenstein (Universität Zürich) und Prof. John Shoptaw (UC Berkeley), vermochten sich ebenso als Dichter einen Ruf zu erwerben.

Thematisch unterteilt war die Konferenz in drei Sektionen: „Lyrik und Philosophie im Anthropozän“, „Atomenergie und ihre Katastrophen“ sowie „Neue Naturwahrnehmung. Möglichkeiten in der neueren Lyrik und Philosophie“. Schwerpunkte lagen in der Slavistik, der Japanologie und der Germanistik, aber auch in der Philosophie. Letztere war mit Prof. Dr. Lore Hühn (Universität Freiburg), Prof. Dr. Katsuhiko Yamaki (Waseda Universität Tokyo), Prof. Dr. Harald Schwaetzer (Kueser Akademie), PD Dr. Magnus Schlette (Universität Heidelberg) und Dr. Philipp Höfele (Universität Freiburg) in sehr starker Weise vertreten. Die Konferenz fand auf dem naturwissenschaftlich ausgerichteten Campus II der Universität Trier auf dem Petrisberg statt; Tagungssaal war die Universitätskapelle.

Konferenzauftakt: Das Anthropozän braucht eine neue Aufklärung

Der feierliche Auftakt fand am Montag, 25. März, im Rokoko-Saal des Kurfürstlichen Palais seinen passenden Rahmen. Nach den Grußworten von Prof. Dr. Georg Müller-Fürstenberger (Vizepräsident der Universität Trier), Prof. Hiroko Matsumoto (Des. Vizepräsidentin der Universität Kobe) und Prof. Dr. Harald Schwaetzer (Kueser Akademie) warnte Prof. Dr. Dr. h.c. Ernst Ulrich von Weizsäcker in seinem Vortrag – Das Anthropozän braucht eine neue Aufklärung. Darin muss die Natur eine zentrale Rolle spielen – eindringlich vor dem Glauben an ein unbegrenztes Wachstum auf Kosten der Natur. Die künstlerischen Beiträge spiegelten seine Mahnung: Die Lyrik-Performance von Angelika Schmitt und Irina Bayer interpretierte dazu Gedichte von Olga Sedakova, Yoko Tawada und Gennadij Ajgi mit den Mitteln des Ausdruckstanzes, in Anlehnung an Loie Fuller. Maria Anisonyan umrahmte den Auftakt am Klavier mit Kompositionen von Claude Debussy, Robert Schumann und Sergej Rachmaninov.

Dichtung und Katastrophe

Die lyrische Verarbeitung der dreifachen Katastrophe von Fukushima stand im Zentrum der japanologischen Forschung. Die Dichtung von Wagô Ryôichi, der nach der Katastrophe aus seiner Heimatstadt Fukushima Gedichte auf Twitter verschickt hatte, wurde von Prof. Dr. Christina Iwata-Weickgenannt (Universität Nagoya) behandelt. Passend dazu berichtete Prof. Dr. Nobue Kazashi (Universität Kobe) von seiner Erkundung des Gebietes von Fukushima, verbunden mit einer Darstellung der Arbeit des Atomkraftkritikers Jinzaburō Takagi und des Dichters Wakamatsu Jotaro, der die Nuklearkatastrophe von Fukushima bereits 1994 in seiner Lyrik vorausgeahnt hatte. Die Germanistin und Vizepräsidentin der Universität Kobe, Prof. Dr. Hiroko Matsumoto, analysierte die Auseinandersetzung der japanisch-deutschen Dichterin Yoko Tawada mit der Atomkatastrophe. Prof. Dr. Andreas Regelsberger (Universität Trier) lenkte die Aufmerksamkeit auf den literarischen Umgang mit bereits länger zurück liegenden Katastrophen, wie der Quecksilbervergiftung der Yatsushiro See vor Südjapan, Auslöser der extrem nervenschädigenden und oft tödlichen Minamata-Krankheit. Dr. Valerij Gretchko (Universität Tokyo) beschäftigte sich in seinem Vortrag mit ethischen Fragen: Ist es zulässig, die Identität eines Überlebenden des Atombombenabwurfs von Hiroshima zu konstruieren, um mit der Veröffentlichung „seiner“ Gedichte poetischen Ruhm zu erwerben? Im Falle des erfundenen Dichters Araki Yasusada lautete die Essenz der ethisch differenzierten Antwort Gretchkos ganz klar: Nein. Über Ōoka Makotos umfassenden Beitrag zur japanischen Dichtung und Kultur – als Dichter, Kritiker, Essayist, Literaturhistoriker, Kunstsammler oder auch Universitätsdozent – sprach Prof. Dr. em. Eduard Klopfenstein (Universität Zürich), der selbst auf 55 Jahre hervorragender wissenschaftlicher Arbeit in der Japanologie zurückblicken kann. Der sehr authentische Vortrag der Trierer Postdoktorandin Dr. Anna Gavryliuk über die Dichtung zu Tschernobyl – bei Ivan Drach und Mario Petrucci – ergänzte die Beiträge der Japanologen aus einer slavistischen und anglistischen Perspektive.

Lyrik als Medium auratischer Naturerkenntnis

Prof. Dr. Frank Kraushaar (Universität Riga) vertrat die Sinologie mit einem literaturgeschichtlich sehr weit aufgestellten Vortrag, der den Umbruch klassischer ostasiatischer Naturästhetik in der klassizistischen Cyberlyrik des Lizi nachwies. Die auratische Dichtung Gennadi Aygis stand im Zentrum zweier slavistischer Beiträge. In einem faszinierenden Vortrag erläuterte Prof. Dr. Henrieke Stahl (Universität Trier) ihre These von der Lyrik als Medium auratischer Naturerkenntnis, als Antwort auf die Herausforderungen des Anthropozäns. Mittels ihrer Interlinearübersetzung führte sie die anwesenden Wissenschaftlern, Dichtern und Studierenden an Ajgis streng hermetisches Gedicht feld hinter ferapontovo heran. Der Vergleich mit der Lyrik des Japaners Keijiro Suga und des Leipziger Dichters und Theologen Christian Lehnert schuf darüber hinaus ein besseres Verständnis für die internationale Dimension dieser durchaus spirituellen Texte. Obwohl Dr. Angelika Schmitt den gleichen Dichter in ihrem Vortrag behandelte, und dabei ebenfalls Bezug auf feld hinter ferapontovo nahm, glückte es der frisch promovierten Slavistin, u.a. mit einer Untersuchung des Symbols des Feldes, neue Aspekte in Ajgis Lyrik zu darzulegen. Prof. Dr. Ilya Kalinin (Universität St. Petersburg) widmete seinen Vortrag Aleksei Parchshikovs Gedicht Öl, das seit seiner Entstehung 1998 eine ernstzunehmende Rezeption in der russischsprachigen Welt (und darüber hinaus) erfahren hat. Dr. Kirill Korchagin (Vinogradov Institut für russische Sprache, Moskau) ergründete dagegen die Natur der Leere in der Dichtung von Andrej Monastyrskij und erschloss dabei auch Aspekte aus dem Buddhismus.

Lyrik im Anthropozän

Die Konferenz war international, interdisziplinär und interkulturell ausgerichtet: Neben den germanistischen Beiträgen gab es Vorträge aus der Romanistik, Komparatistik, aber auch Slavistik, Japanologie und Sinologie sowie Philosophie mit Teilnehmern aus Deutschland, Italien, Japan, Lettland, Schweiz, Russland und den USA. Prof. em. Rainer Grübel (Universität Oldenburg) lieferte eine präzise Analyse der Naturgedichte Durs Grünbeins; Dr. Juliana Kaminskaja sprach über die Hintergründe der Entstehung von Friederike Mayröckers Sekundengedicht dieser nachsommer, während Dr. Ekaterina Evgrashkina (Universität Trier) und Dr. Peter Geist (Universität Trier) die höchst umfangreiche und richtungweisende Anthologie Lyrik im Anthropozän behandelten. Prof. Dr. Amelia Valtolina (Universität Bergamo) erörterte Naturbilder in den Gedichten der profilierten Schriftsteller Marcel Beyer und Lutz Seiler; und PD Dr. Jan Andres (Universität Bielefeld) analysierte den Umgang des derzeit wohl erfolgreichsten deutschsprachigen Dichters, Jan Wagner, mit der Natur. Prof. Dr. Claus Telge (Universität Osaka) sprach über Poetiken und Politiken der Meeresdichtung. Einen Transfer zur Anglistik leistete der Beitrag von Prof. Dr. Nikolas Immer (Universitäten Trier / Kiel), der – auch aus der höchst aufschlussreichen Perspektive des Kunsthistorikers – W.G. Sebalds Elementargedicht Nach der Natur erschloss. Prof. Dr. John Shoptaw (UC Berkeley) stellte in seinem Vortrag die Frage nach Inhalt und Form einer ecopoetry des 21. Jahrhunderts. Shoptaw, der in Berkeley selbst zu den ecopoets um Pulitzer-Preisträger Robert Hass gezählt wird, plädierte mit seinen exemplarischen Gedichten für eine größere Liminalität gegenüber der Natur, auch in der Form. Dr. Matthias Fechner (Universität Trier) stellte Naturgedichte von Robert Hass, Edwin Morgan, Les Murray und Gerhard Falkner in einen komparatistischen Bezug.

Lesung mit Marion Poschmann und Gerhard Falkner

Eine weitere Dimension erfuhren die Tagung und im Speziellen auch der Vortrag von Herrn Fechner durch die Anwesenheit Gerhard Falkners, der am gleichen Abend noch im Stadtmuseum Simeonstift aus seinem im Mai 2019 erscheinenden Gedichtband Schorfheide. Gedichte en plein air über die Landschaft(en) der nördlichen Mark Brandenburg las. Die zweite Autorin der Lesung war Marion Poschmann, die aus ihrem neuesten Band Geliehene Landschaften. Lehrgedichte und Elegien vortrug, der die Naturwahrnehmung in interkulturellen Kontexten verortet.

Tanzperformance - Poesie aus Russland und Tschuwaschien

Im Video wird ein russisches Gedicht des tschuwaschischen Dichters Gennadij Ajgi (1934-2006) tänzerisch dargestellt. Die Performance wurde von der Kollegforschungsgruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) „Russischsprachige Gegenwartslyrik in Transition“ an der Universität Trier gedreht. Sie untersucht in einem großen internationalen Netzwerk die Lyrik der Gegenwart im Raum Europa, Asien und Amerika. Das Video ist für das Projekt „Die Welt liest Ajgi“ («Мир читает Айги») produziert worden, das die tschuwaschische Nationalbibliothek zum 85. Geburtstag des Dichters ausgeschrieben hat.

Der Kurzfilm spiegelt die metaphysische Weltsicht des Dichters, die von platonischem Dualismus und dem Suprematismus des russischen Künstlers Kazimir Malevich beeinflusst ist: Die irdische Welt erscheint als illusionäres Spiegelbild der Urbilderwelt, aus der der Mensch stammt. Als Kind lebt er noch in Einheit und Harmonie mit der Natur, als Erwachsener aber isoliert er sich. Die Kunst kann – so die Überzeugung Ajgis – dem Menschen eine Erfahrung der ursprünglichen Ganzheitlichkeit vermitteln. Die „Nicht-Farbe“ Weiß symbolisiert dabei den transzendenten, ungegenständlichen Bereich des Urbildhaften.

Regie: Angelika Schmitt
Kamera: Emilia Tkatschenko
Schnitt: Jordi Cloquell, Angelika Schmitt
Ton: Andreas Gülden