Lesungen, 3. Februar 2021

‹ la langue baleine ›. Die Sprache zwischen Herkunfts- und Ankunftsland. Lesung mit Jean Portante

Zeit:
3. Februar 2021, 18:00
Plattform:
Zoom
Anmeldung:
Anmeldung per Mail an baharova@uni-trier.de
Sprache:
  Deutsch  /    Französisch
Referent/in:
Jean Portante

Das Forschungskolleg Lyrik in Transition (FOR 2603) lädt Sie herzlich ein zu einer deutschen und französischen Lesung mit dem Lyriker Jean Portante mit dem Titel ‹ la langue baleine ›. Die Sprache zwischen Herkunfts- und Ankunftsland.

 

Jean Portante gehört zu den bedeutendsten Gegenwartslyrikern Luxemburgs. 1983 debütierte der studierte Romanist mit seinem ersten Lyrikband, « Feu et Boue ». Bis 2017 folgten 28 weitere französischsprachige Gedichtbände und Romane. Darüber hinaus übersetzte Jean Portante u.a. Werke von Juan Gelman (Spanisch), Jovan Zivlak (Serbisch), Jerome Rothenberg (Englisch), aber auch von Tzveta Sofronieva und Ulrike Draesner (beide Deutsch) ins Französische.

Zu Lesung und Werk

Ein Schlüsseltext Jean Portantes ist der autobiografisch geprägte Migrations-, Entwicklungs- und Künstlerroman « Mrs Haroy ou la mémoire de la baleine ». Beschrieben wird darin die Kindheit des Ich-Erzählers in Luxemburg (und Italien) während der 50er und 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Retrospektiv thematisiert werden die Identitätskonflikte eines Kindes mit Migrationshintergrund zwischen verschiedenen kulturellen und sprachlichen Welten sowie die spätere Rekonstruktion von Biografie und Vergangenheit durch den Schreibprozess. Der Wal, als ursprünglich vom Festland stammender Meeressäuger, verkörpert dabei die Stellung eines Menschen zwischen Herkunfts- und Ankunftsland. Die ‹ langue baleine › wird in Portantes französischer Literatursprache die ‘mitatmende’ italienische Sprache, eine zentrale poetologische Metapher seines Schreibens.

In seiner Lesung wird Jean Portante auch aus « en realité » / „In Wirklichkeit“ und « Point » / „Arbeit des Schattens“ vortragen.

Biographisches

Nach einem Studium der Romanistik in Nancy arbeitete Jean Portante als Sekundarschullehrer, ließ sich aber 1983 als freier Schriftsteller in Paris nieder. Längere Aufenthalte führten ihn zwischen 1987 und 1990 als Verlagslektor und Übersetzer nach Kuba sowie von 1996 bis 1999 nach Brüssel. Er ist als Schriftsteller, Übersetzer, Herausgeber, Journalist, Sprachlehrer am Centre de langues (heute: Institut national des langues) tätig. Darüber hinaus wirkt er als Kursleiter für Kreatives Schreiben an der Universität Luxemburg und im Verlagswesen. Jean Portante produzierte Sendungen für den Luxemburger Sender Radio 100,7. Außerdem arbeitete er von 1997 bis 2019 in leitenden Positionen in Redaktion und Direktion der Wochenzeitung « Le Jeudi », für die er regelmäßig Rubriken und Glossen schreibt. Z.B.: « Les portraits du Jeudi », « Un monde immonde », « Les mots voyageurs ». Für « Le Jeudi » gründete Jean Portante 1996 auch die Beilage « Livres-Bücher ». Im Luxemburger Verlag Éditions Phi leitet er seit 1992 die Lyrik-Reihen « Graphiti » (seit 1992) und « Radiographies » (seit 2002). Sein Werk wurde mehrfach mit bedeutenden Literaturpreisen gewürdigt (u.a. Prix Mallarmé, Prix Servais, Prix Batty Weber, Prix Alain Bosquet).