Gastvortrag von Frau Prof. Dr. Claudia Benthien

Die DFG-Kolleg-Forschungsgruppe „Russischsprachige Lyrik in Transition“

lädt ein zu einem Vortrag von

Frau Prof. Dr. Claudia Benthien (Germanistik, Universität Hamburg)

zum Thema

Lyrik im digitalen Zeitalter. Arbeitsfelder und methodische Zugänge

Der Vortrag diskutiert die große Bandbreite zeitgenössischer Lyrik-Formate als methodische Herausforderung. Denn wenn Gedichte auf der Bühne performt werden, wenn sie durch Musik unterlegt werden oder als Audio-Produkte und Filme auf CDs und DVDs erhältlich sind, stoßen traditionelle literaturwissenschaftliche Analyseverfahren an ihre Grenzen. Gleiches gilt für das popkulturelle Format des ‚Poetry Clips‘ oder für künstlerische Video-Poems und experimentelle Medienpoesie, die kinetische Schrift, Bilder und Sound einsetzt. Diese neuen Formate haben die Aufmerksamkeit für die intermediale Tradition von Lyrik verstärkt, gleichzeitig wurde evident, dass im Zeitalter der Digitalisierung neue Theorieansätze erforderlich sind.

Das weite Feld aktueller deutschsprachiger Formate wird im Vortrag anhand von drei zentralen intermedialen Konstellationen vorgestellt: 1. Lyrik und Performance, 2. Lyrik und Musik, 3. Lyrik und visuelle Kunst. Die erste Konstellation wird am Beispiel von Nora Gomringers Sprechtext „Dich aus dem Leben lösen“ (Buch und Audio-CD) diskutiert, die zweite am Beispiel von Maximilian Humperts Poetry-Clip „Phoenix“ auf YouTube, die dritte am Beispiel von Matthias Müllers Poesiefilm „nebel“, der einen Gedichtzyklus von Ernst Jandl transformiert. Im Zentrum steht jeweils die Frage, welche interdisziplinären Theorieansätze hilfreich sind, um derartig hybride ‚Lyrik‘ zu untersuchen.

Claudia Benthien ist seit 2005 Professorin für Neuere deutsche Literatur an der Universität Hamburg. Ihre aktuellen Forschungsprojekte ‚Performing Poetry‘. Mediale Übersetzungen und situationale Rahmungen zeitgenössischer Lyrik sowie Literarizität in der Medienkunst widmen sich dem Verhältnis von zeitgenössischer Literatur und anderen Künsten.

Zu ihren wichtigsten Publikationen zählen die Bücher Haut. Literaturgeschichte – Körperbilder – Grenzdiskurse (1999);  Barockes Schweigen. Rhetorik und Performativität des Sprachlosen im 17. Jahrhundert (2006), Tribunal der Blicke. Kulturtheorien von Scham und Schuld und die Tragödie um 1800 (2011) sowie The Literariness of Media Art (Mitautorin, 2018). Ihre neuesten Bände als Mitherausgeberin sind Übersetzen und Rahmen. Praktiken medialer Transformationen (2017) und das Handbuch Literatur & Visuelle Kultur (2014).

Mittwoch, den 16. Mai 2018

16-18 Uhr

Universität Trier, Raum DM 131

Gäste sind herzlich willkommen!